Kostenvorteile im großen Stil

02-2020

Über einen speziellen Betriebsmodus von Doppelgleitringdichtungen lässt sich der Wasserverbrauch in der Zellstoff- und Papierproduktion stark reduzieren. Die Dichtungstechnik bietet in vielen Einsatzbereichen große Potenziale für Kosten- und Ressourcen-Senkungen. Wer nach Beispielen sucht, wird insbesondere in der Zellstoff- und Papierproduktion schnell fündig. Denn die Herstellungsprozesse dort erfordern einen immensen Wasserverbrauch. Dieser lässt sich über Dichtungen mit der „Nonflow“-Fahrweise deutlich reduzieren. Für die Betreiber ist das ein großer Vorteil – sowohl in ökologischer als auch in wirtschaftlicher Hinsicht.

 

Wasserverbrauch größter Hebel

10 Liter: So viel Wasser ver­schlingt die Pro­duk­ti­on eines ein­zel­nen DIN-A4-Blatts Papier nach Angaben der Ver­ei­ni­gung Deut­scher Ge­wäs­ser­schutz (Quelle: http://​vdg.​durstige-​gueter.​de/​das_​projekt.​html). Die optimale, pro­zess­ge­rech­te Aus­le­gung von Pro­duk­ti­ons­an­la­gen und Kom­po­nen­ten bietet einen großen Hebel, den Was­ser­ver­brauch zu senken. Die Dich­tungs­tech­nik ist in diesem Zu­sam­men­hang eine be­deu­ten­de Stell­schrau­be.

Maß­ge­bend ist der Betrieb einer Dichtung im Non­flow-Mo­dus. Zur Er­klä­rung: In der Regel werden Dop­pel­gleit­ring­dich­tun­gen in Stoff­pum­pen der Zell­stoff- und Pa­pier­in­dus­trie über einen offenen Sperr­kreis­lauf mit Frisch­was­ser versorgt. Dabei wird der Dichtung stetig Frisch­was­ser als Sperr­flüs­sig­keit zu­ge­führt. Diese ist druck­be­auf­schlagt, um Pro­dukt­le­cka­gen an die At­mo­sphä­re zu ver­hin­dern, und dient der Schmie­rung und Kühlung des Dicht­sys­tems. Nach dem Durch­lauf wird das Wasser ab­ge­lei­tet. Bei der Non­flow-Fahr­wei­se hingegen zir­ku­liert das Wasser in einem ge­schlos­se­nen System.

Ein solches ge­schlos­se­nes System besteht in der Regel aus Lei­tungs­roh­ren, Ventilen und einem Spei­cher­be­häl­ter. Hinzu kommen Mess- und Steu­er­ge­rä­te für die Über­wa­chung von Tem­pe­ra­tur, Sperr­druck und Durch­fluss­men­ge. Das Wasser wird einmal ein­ge­füllt und ver­bleibt, über die Ventile ab­ge­rie­gelt, während der gesamten Le­bens­dau­er der Dichtung im System. Nur eine ver­nach­läs­sig­bar geringe Menge Frisch­was­ser wird aus dem Was­ser­netz der Pro­duk­ti­ons­an­la­ge nach­ge­führt, um die Leckage aus­zu­glei­chen. Da der Druck im Was­ser­netz in der Regel höher ist als der Pro­dukt­druck, eignet er sich auch als Sperr­druck.

Im Ver­gleich zu üblichen Dop­pel­gleit­ring­dich­tun­gen verfügen die für den Non­flow-Be­triebs­mo­dus aus­ge­leg­ten Dich­tungs­sys­te­me über zu­sätz­li­che Boh­run­gen und Spi­ral­schlit­ze im Ge­häu­s­ein­ne­ren. Dies erlaubt der Sperr­flüs­sig­keit, in­ner­halb der Dichtung zwischen Produkt- und At­mo­sphä­r­en­sei­te zu zir­ku­lie­ren. Die Rei­bungs­wär­me wird zur Pro­dukt­sei­te geleitet, und das gekühlte Dich­tungs­was­ser fließt von der Pro­dukt­sei­te zur At­mo­sphä­r­en­sei­te zurück, an­ge­trie­ben von der Ro­ta­ti­ons­be­we­gung der Welle. Die Dichtung funk­tio­niert wie ein Wär­me­tau­scher. Der üb­li­cher­wei­se ob­li­ga­to­ri­sche Ther­mo­si­phon­be­häl­ter für dop­pelt­wir­ken­de Gleit­ring­dich­tun­gen wird nicht benötigt.

 

Optimale Werkstoffe wählen

Auch die Werk­stof­fe spielen für Dich­tun­gen, die im Non­flow-Mo­dus be­trie­ben werden, eine große Rolle. Während her­kömm­li­che Gleit­flä­chen­paa­run­gen aus Koh­le­werk­stoff und Edel­stahl bestehen, er­mög­licht die Kom­bi­na­ti­on aus Koh­le­werk­stoff und Si­li­zi­um­kar­bid ein ver­bes­ser­tes Gleit­ver­hal­ten und ge­rin­ge­re Rei­bungs­ver­lus­te. Damit fällt auch die Tem­pe­ra­tur­ent­wick­lung durch Reibung in der Dichtung ins­ge­samt nied­ri­ger aus.

 

Benefit I: Enorme Reduktion des Wasserverbrauchs

Die Vorteile der Non­flow-Fahr­wei­se liegen auf der Hand: Der Was­ser­ver­brauch sinkt auf einen Bruch­teil der üb­li­cher­wei­se be­nö­tig­ten Menge. Legt man bei­spiels­wei­se eine Grö­ßen­ord­nung von 30 Dich­tungs­ein­hei­ten zugrunde, liegt der Ver­brauch bei fol­gen­den Werten:

  • Packungen: 10 l pro Min. / 142.560 m3 im Jahr
  • Gleitringdichtung Standardmodus: 4 l pro Min. / 57.024 m3 im Jahr
  • Gleitringdichtung Nonflow: 0,000152828 l pro Min. / 2,25 m3 im Jahr

 

Benefit II: Kostenvorteile für Anlagenbetreiber

Der res­sour­cen­scho­nen­de Be­triebs­mo­dus bringt neben dem öko­lo­gi­schen Nutzen ins­be­son­de­re wirt­schaft­li­che Vorteile für die Pa­pier­pro­du­zen­ten mit sich. So ent­spricht die jähr­li­che Was­serer­spar­nis einem Kos­ten­rück­gang von etwa 2.000 Euro pro Pumpe. Darin liegt ein großes Po­ten­zi­al: Pa­pier­fa­bri­ken, deren Pumpen mit Non­flow-Dich­tun­gen aus­ge­stat­tet sind, können jährlich bis zu sechs­stel­li­ge Ku­bik­me­ter-Men­gen Wasser ein­spa­ren. Bei­spiel­haft belegt dies das süd­fin­ni­sche Un­ter­neh­men Kot­ka­Mills: Hier wurden 41 Pumpen mit Non­flow-Tech­no­lo­gie um­ge­rüs­tet. Seitdem hat sich der jähr­li­che Ver­brauch für die Dich­tungs­ver­sor­gung um 181.000 Ku­bik­me­ter re­du­ziert.

 

Benefit III: Weniger Verschmutzung, längere Betriebsdauer

Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass Non­flow-Dich­tun­gen weniger anfällig für Ver­schmut­zun­gen sind. Das Wasser gelangt einmalig in das Dich­tungs­ge­häu­se. Nachdem die Leitung ab­ge­rie­gelt ist, steht es hier statisch an. Dadurch entfällt der Durch­fluss großer Was­ser­men­gen – und so auch der Eintrag von Schmutz­par­ti­keln, die sich suk­zes­si­ve in der Dichtung ak­ku­mu­lie­ren. Im Worst Case könnten die Schmutz­par­ti­kel die Dichtung blo­ckie­ren, zumal im Betrieb be­acht­li­che Mengen zu­sam­men­kom­men. Bei­spiels­wei­se ergeben 10 ppm an Fest­stof­fen im Jah­res­ver­lauf 19 Ki­lo­gramm Schmutz. Diese Menge passiert eine Non­flow-Dich­tung eben nicht. Damit erhöht sich deren Stand­zeit um den Faktor 3.

 

Fazit

Dop­pel­gleit­ring­dich­tun­gen werden weltweit von vielen Un­ter­neh­men in Non­flow-Be­triebs­wei­se er­folg­reich ein­ge­setzt. Einen Schwer­punkt bildet die Papier- und Zell­stoff­in­dus­trie in Finnland. Darüber hinaus kann die Non­flow-Tech­no­lo­gie auch in der phar­ma­zeu­ti­schen, che­mi­schen und Le­bens­mit­tel­in­dus­trie ver­wen­det werden. Der Nutzen für An­la­gen­be­trei­ber ist dabei of­fen­kun­dig. Non­flow-Dich­tun­gen haben sich vielfach bewährt. Der starke Rückgang des Was­ser­ver­brauchs, die ver­min­der­te Ver­schmut­zung und die dadurch stei­gen­de mittlere Be­triebs­dau­er der Dich­tun­gen bewirken si­gni­fi­kan­te Kos­ten­vor­tei­le. Die Per­spek­ti­ve für Dich­tun­gen mit Non­flow-Tech­no­lo­gie ist viel­ver­spre­chend: Die er­mit­tel­ten Be­triebs­be­din­gun­gen erlauben einen Einsatz ent­spre­chen­der Systeme für schät­zungs­wei­se rund 80 Prozent der ro­tie­ren­den Wellen in Pro­duk­ti­ons­stät­ten fast aller Branchen.