Die „Beste Verfügbare Technik“ einzusetzen, ist immer eine gute Idee

Ein Interview mit Daniel Goebel, Sales Director Compressor Sealing Aftermarket (Region EMEA))

Aufgerissenes Papier, das den Text „Best Available Technique (BAT)“ auf blauem Hintergrund freilegt.

Gesetze wie das Bundes-Immissionsschutzgesetz fordern den Einsatz der „Besten Verfügbaren Techniken“ (BVT). „Diese Anforderung auf den Inhalt einer Verwaltungsvorschrift zu reduzieren, wird dem Potenzial dieses Ansatzes nicht gerecht“, meint Daniel Goebel, Sales Director Compressor Sealing Aftermarket bei EagleBurgmann (Region EMEA), und erläutert, wie man die „Beste Verfügbare Technik“ mit Unterstützung von EagleBurgmann in vielerlei Hinsicht optimal einsetzt.

Porträt von Daniel Goebel mit Schal neben einem Zitat über die „Best Available Technique“ für nachhaltige und effiziente Anlagenbetriebe.

Der Einsatz der „Besten Verfügbaren Technik" ist also mehr als eine „lästige“ Anforderung?

Goebel: Absolut! Die Ge­setz­ge­bung verfolgt be­stimm­te Ziele, zum Beispiel die Re­du­zie­rung von Emis­sio­nen, die Ver­bes­se­rung der En­er­gie­ef­fi­zi­enz oder auch die Mi­ni­mie­rung von Ver­schwen­dung. Sie dient damit der Ver­bes­se­rung der Le­bens­be­din­gun­gen – man könnte auch sagen, sie dient der För­de­rung einer nach­hal­ti­gen Ent­wick­lung. Im Ide­al­fall folgen tech­ni­sche In­no­va­tio­nen und er­mög­li­chen Ver­bes­se­run­gen.

Die „Beste Ver­füg­ba­re Technik“ erfüllt also nicht nur Gesetze und Re­gu­la­ri­en. Sie macht auch den Betrieb von Anlagen ef­fi­zi­en­ter oder wirt­schaft­li­cher – vor­aus­ge­setzt, die richtige Technik wird an der rich­ti­gen Stelle ein­ge­setzt.

 

Um Herstellerneutralität zu wahren, hat der Gesetzgeber die Vorgaben allgemein gehalten – führt das in der Praxis nicht zu Problemen?

Goebel: Ja, aber ich glaube, dass viele prak­ti­sche Probleme aus einem falschen Ver­ständ­nis re­sul­tie­ren. Die „Beste Ver­füg­ba­re Technik“ ist ein Konzept, das auf viele tech­ni­sche Bereiche an­ge­wen­det wird, in unserem Fall auf die Dich­tungs­tech­nik. Mit diesem Konzept muss sich ein Be­trei­ber ganz­heit­lich aus­ein­an­der­set­zen oder mit Partnern zu­sam­men­ar­bei­ten, die ihn un­ter­stüt­zen. Dies ist be­son­ders wichtig bei spe­zi­el­len An­wen­dun­gen oder in Be­rei­chen, die von schnel­len In­no­va­tio­nen geprägt sind. Für die Dich­tungs­tech­nik gelten beide Aspekte und es ist nicht einfach, hier einen guten Über­blick über die jeweils „Besten Ver­füg­ba­ren Tech­ni­ken“ zu haben bzw. zu behalten.

 

Gibt es Informationen über die „Besten Verfügbaren Techniken"?

Goebel: Die gibt es – zum Beispiel die BVT-Merk­blät­ter und BVT-Schluss­fol­ge­run­gen sowie die bran­chen­spe­zi­fi­schen Do­ku­men­ta­tio­nen des ak­tu­el­len Stands der Technik. Diese werden vom eu­ro­päi­schen IPPC-Bü­ro in Sevilla zur Ver­fü­gung gestellt. Für „Gleit­ring­dich­tun­gen“ gibt es aber nur sehr all­ge­mei­ne Vorgaben. Eine sinn­vol­le Dif­fe­ren­zie­rung und Kon­kre­ti­sie­rung ist derzeit eine Aufgabe des Se­vil­la-Pro­zes­ses.

In­ter­na­tio­nal geben darüber hinaus die An­for­de­run­gen des American Pe­tro­le­um In­sti­tu­te (API) und viele andere Re­gel­wer­ke und Emp­feh­lun­gen Ori­en­tie­rung.

 

Woher bekomme ich dann als Betreiber und Anlagenbauer Informationen über die Innovationen der Dichtungshersteller?

Goebel: Diese wich­ti­gen In­for­ma­tio­nen zu In­no­va­tio­nen, die in der Summe viel­leicht ein besseres Ergebnis liefern, als „nur“ die Vor­schrif­ten zu erfüllen, werden zum Beispiel in Fach­me­di­en, auf Messen und Vor­trä­gen oder in Her­stel­ler­un­ter­la­gen vor­ge­stellt. Dies sind jedoch nur erste Impulse. Die an­wen­dungs­spe­zi­fisch beste Lösung wird dann im Dialog, zum Beispiel mit unseren Experten, er­ar­bei­tet. Hier führen wir derzeit in­ten­si­ve Ge­sprä­che mit Be­trei­bern. Ein Thema ist unter anderem, wie die Me­tha­n­emis­sio­nen aus Gas­pipe­lines re­du­ziert werden können. Unsere CobaDGS Ze­ro-Emis­si­on-Dich­tung ist hier ein gutes Beispiel für In­no­va­ti­on. Sie ist derzeit in keinem Re­gel­werk ent­hal­ten, er­mög­licht aber neben der Emis­si­ons­min­de­rung auch eine Erhöhung der An­la­gen­zu­ver­läs­sig­keit. Sie ist die Basis für in­ter­es­san­te Busi­ness-Ca­ses.

 

Es wird also an vielen Stellen an der Einführung der BVT gearbeitet, doch die Präzisierungen hinken der technischen Entwicklung zeitlich hinterher …

Goebel: … das ist leider so und wird sich auch erst ändern, wenn die tech­ni­sche Ent­wick­lung lang­sa­mer ist als die Qua­li­fi­zie­rungs­pro­zes­se. Diesen Zustand sollten wir uns aber nicht wünschen, denn eine um­welt­ge­rech­te und nach­hal­ti­ge In­dus­trie­pro­duk­ti­on braucht zu­kunfts­wei­sen­de In­no­va­tio­nen. Es ist gut, dass wir viele In­no­va­tio­nen haben und aktuelle Trends vor­an­trei­ben können. Unsere In­no­va­tio­nen, wie neu­ar­ti­ge Nu­ten­de­signs für Gleit­rin­ge, Low-Fric­tion-Dich­tun­gen oder die erwähnte Co­baDGS-Dich­tung, eröffnen An­la­gen­bau­ern und -be­trei­bern heute in­ter­es­san­te Po­ten­zia­le. Das Ziel unserer Ent­wick­lun­gen ist immer die Mi­ni­mie­rung von Leckage, die Erhöhung der Ef­fi­zi­enz und die Ver­län­ge­rung der An­la­gen­lauf­zeit.

 

Zurück zum Begriff „Beste Verfügbare Technik" – geht es hier nur um die beste technische Lösung?

Goebel: Nein, es geht hier um die beste tech­ni­sche Lösung für eine An­wen­dung im Rahmen ihrer re­le­van­ten Ein­satz­kri­te­ri­en. So kann zum Beispiel die Aus­le­gung der Dichtung selbst den Un­ter­schied aus­ma­chen, ob weniger Leckage entsteht und/oder die Anlage ef­fi­zi­en­ter be­trie­ben werden kann. Weitere An­satz­punk­te sind zum Beispiel die Op­ti­mie­rung des Ver­sor­gung­sys­tems oder der Über­wa­chungs­lo­gik. Es ist also wichtig, sich darüber im Klaren zu sein, was man für den Betrieb er­rei­chen will. Daraus ergibt sich die beste Ge­samt­lö­sung – na­tür­lich unter Be­rück­sich­ti­gung des kom­mer­zi­el­len Aspekts. Die „Beste Ver­füg­ba­re Technik“ führt also nicht für jede An­wen­dung zur gleichen Dich­tungs­lö­sung.

 

Sie haben den wirtschaftlichen Aspekt angesprochen. Ist der Einsatz der „Besten Verfügbaren Technik" , zum Beispiel im Rahmen der TA Luft, mit höheren Kosten verbunden?

Goebel: Dies ist eine Frage des Blick­win­kels und von Be­trei­ber zu Be­trei­ber un­ter­schied­lich. Wenn ein Be­trei­ber den Fokus auf die kurz­fris­ti­ge Er­fül­lung neuer Vorgaben legt, stehen au­to­ma­tisch die Kosten im Vor­der­grund. Stellt er aber – aus meiner Sicht sinn­vol­ler­wei­se – die Le­bens­zeit der Pro­duk­ti­ons­an­la­gen in den Mit­tel­punkt, ergibt sich ein anderes Bild.  Längere Stand­zei­ten und War­tungs­in­ter­val­le, ge­rin­ge­rer Ver­brauch und weniger Leckagen etc. zeigen im Rahmen einer soliden To­tal-Cost-of-Ow­nership-Be­trach­tung schnell in­ter­es­san­te Ef­fi­zi­enz­po­ten­zia­le auf. Dabei ist es zunächst un­er­heb­lich, ob die „Beste Ver­füg­ba­re Technik“  ein­ge­setzt wird.

 

Wie meinen Sie das?

Goebel: Ich kann bei Neu­an­la­gen oder Re­vi­sio­nen die BVT be­rück­sich­ti­gen, um die ge­setz­li­chen An­for­de­run­gen zu erfüllen. Dies ist Standard. Aber auch ein „Upgrade“ auf die „Beste Ver­füg­ba­re Technik“  kann sich lohnen, ins­be­son­de­re bei tech­ni­schen In­no­va­tio­nen, die zen­tra­len Markt­an­for­de­run­gen Rechnung tragen. Und dazu gehört heute auch ein nach­hal­ti­ge und um­welt­ver­träg­li­cher An­la­gen­be­trieb. Und hier muss man deutlich sagen: Anlagen, die auf der „Besten Ver­füg­ba­ren Technik“ basieren, haben einen ge­rin­ge­ren En­er­gie­ver­brauch, längere Stand­zei­ten und er­mög­li­chen einen sicheren Betrieb für Mensch und Umwelt.

 

Wie groß ist die Nachfrage nach nachhaltigen und umweltgerechten Lösungen derzeit?

Goebel: Ei­ner­seits wächst sie und geht über das hinaus, was man zum Beispiel im Rahmen der TA Luft zu erfüllen ist. Immer mehr An­la­gen­be­trei­ber sind sich ihrer Ver­ant­wor­tung bewusst und wir un­ter­stüt­zen sie gerne, denn die jeweils beste ver­füg­ba­re Dich­tungs­tech­nik bietet einen großen Hebel, die ge­steck­ten Ziele zu er­rei­chen.

An­de­rer­seits sehen wir leider allzu oft, dass die An­schaf­fungs­kos­ten – z.B. für ein Upgrade – im Vor­der­grund stehen und nicht das To­tal-Costs-of-Ow­nership-Prin­zip. Das ist schade, denn mit einem stim­mi­gen Upgrade lässt sich oft ein schnel­ler Return on In­vest­ment erzielen, der je nach Anlage und Einfluss zwischen einem und drei Jahren liegen kann. Der ganz­heit­li­che Ansatz ist also der Schlüs­sel.

 

Der ganzheitliche Ansatz ist aber ein unpräziser Begriff. Was verstehen Sie darunter?

Goebel: Neben den ge­nann­ten Aspekten sollten Ana­gen­her­stel­ler und -be­trei­ber hier die immer schnel­ler werdende tech­ni­sche Ent­wick­lung und den gesamten Le­bens­zy­klus einer Anlage bzw. eines Pro­duk­tes be­rück­sich­ti­gen. Das daraus re­sul­tie­ren­de Pro­duct-Life-Cy­cle-Ma­nage­ment er­for­dert dann auch, dass sich An­la­gen­her­stel­ler intensiv mit den Ein­satz­be­din­gun­gen und Pro­duk­ti­ons­zie­le der Be­trei­ber aus­ein­an­der­set­zen und ge­mein­sam an Lösungen arbeiten. Dabei kann es zum Beispiel darum gehen, wie ein Produkt mit mög­lichst geringem „öko­lo­gi­schen Fuß­ab­druck“ her­ge­stellt und re­pa­riert werden kann.
Weitere Themen sind Energie- und Be­triebs­mit­tel­ver­brauch. Neben den klas­si­schen An­for­de­run­gen wie Le­cka­ge-Mi­ni­mie­rung oder Stei­ge­rung der En­er­gie­ef­fi­zi­enz arbeiten wir derzeit an Kon­zep­ten, zur Ver­län­ge­rung der Le­bens­dau­er bzw. der „Mean Time Between Main­ten­an­ce (MTBM)". Hierfür bieten wir bei­spiels­wei­se unser Smart Se­al-Kon­zeptan. Wir helfen hier mit um­fang­rei­cher Da­ten­er­fas­sung und -aus­wer­tung, Anlagen und Kom­po­nen­ten im Betrieb besser zu „ver­ste­hen“ und so die Le­bens­dau­er zu ver­län­gern und damit die Ef­fi­zi­enz des Betriebs zu ver­bes­sern.

 

Wie unterstützt EagleBurgmann ganz konkret, wenn es etwa um die Umsetzung der TA Luft geht?

Goebel: An dieser Stelle möchte ich auch auf dasIn­ter­view mit meinem Kollegen Herrn Böhm ver­wei­sen, das an­schau­lich kon­kre­ti­siert, was in diesem Fall zu beachten ist. Die Basis ist unser auf die ak­tu­el­len Markt­an­for­de­run­gen ab­ge­stimm­tes Angebot.

Am Anfang steht die an­wen­dungs­tech­ni­sche Beratung, die die tech­nisch, wirt­schaft­lich und re­gu­la­to­risch beste Lösung er­mit­telt. Hier kommen unsere breite Pro­dukt­pa­let­te und unser An­wen­dungs-Know-how zum Tragen, mit dem wir nahezu jeden An­wen­dungs­fall in den un­ter­schied­lichs­ten Branchen bedienen. Unser Pro­dukt­an­ge­bot reicht von Mehr­fach-Gleit­ring­dich­tun­gen und den da­zu­ge­hö­ri­gen Dich­tungs­ver­sor­gungs­sys­te­men über Ma­gnet­kupp­lun­gen, Mehr­kam­mer-Dicht­lip­pen­sys­te­me, Dich­tun­gen für Flansche, Absperr- und Re­ge­l­or­ga­ne, Koh­le­schwimm­ring­dich­tun­gen und Kom­pen­sa­to­ren bis hin zu Spe­zi­al­dich­tun­gen.

Beim Einsatz neuer Tech­no­lo­gi­en un­ter­stüt­zen wir Be­trei­ber auch bei der Er­lan­gung be­hörd­li­cher Ge­neh­mi­gun­gen für den An­la­gen­be­trieb. Für einen ef­fi­zi­en­ten und sicheren Betrieb be­glei­ten wir sie dann mit um­fang­rei­chen Dienst­leis­tun­gen. Das reicht vom op­ti­mier­ten La­ger­ma­nage­ment, über die Montage, Wartung oder Re­pa­ra­tur, bis hin zu tech­ni­schen Analysen, Con­sul­ting und En­gi­nee­ring, wie Re­lia­bi­li­ty En­gi­nee­ring oder „Bad-Ac­tor-Un­ter­stüt­zung“. Bei Upgrades, also der Auf­rüs­tung der Dich­tungs­tech­nik, sorgt ein eigenes Team dafür, dass die beste Lösung sicher in die Anlagen in­te­griert wird. Und schließ­lich schulen wir das tech­ni­sche Personal. Bei uns oder beim Kunden vor Ort. Mit diesem ganz­heit­li­chen Ansatz wird die To­tal-Cost-of-Ow­nership zu einer rea­lis­ti­schen und greif­ba­ren Größe.

 

Viele Vorschriften, wie etwa die TA Luft, gelten ja nur in Deutschland. Wie passt sich Ihr Support an global agierende Unternehmen an?

Goebel: Sehr flexibel, aber im Prinzip doch gleich. EagleBurgmann ist ein global agie­ren­des Un­ter­neh­men und in­ter­na­tio­nal auf­ge­stellt. Be­trei­ber können sich an das für sie nächst­ge­le­ge­ne Kun­den­cen­ter wenden, um dann fall­spe­zi­fisch mit uns ge­eig­ne­te Lösungen zu rea­li­sie­ren, die den je­wei­li­gen Vorgaben der Länder ent­spre­chen.

Die Ein­hal­tung von Re­gu­la­ri­en wie der TA Luft ist aber nur ein Aspekt. In­ter­na­tio­nal gibt es ver­schie­de­ne Re­gel­wer­ke, die zum Teil ver­ab­schie­det, in der Ent­wick­lung oder in Planung sind. Allen ge­mein­sam ist das Ziel, die Umwelt und den Menschen zu schützen. Diese Ziele sind in Europa, Amerika oder Asien gleich. Lokale Re­gu­la­ri­en wie die TA Luft, sind dann zum Beispiel die deutsche Um­set­zung, die aber auch auf andere Länder aus­strahlt. Vor­schrif­ten sind nur ein – wenn auch wich­ti­ger – Aspekt. Unser Ziel es, die „rich­ti­gen“ In­no­va­tio­nen vor­an­zu­trei­ben, um einer nach­hal­ti­gen Ent­wick­lung zu dienen. Mit diesem Ansatz sehen wir uns als „tech­ni­scher“ Markt­füh­rer. Wir können gute Lösungen anbieten, die sowohl die Re­gu­la­ri­en erfüllen, als auch einen Mehrwert für Be­trei­ber und An­la­gen­bau­er bieten.

 

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