Führungsverantwortung in Teilzeit übernehmen, geht das überhaupt?

Die Vorgesetzten von Katrin Dinkel haben die Frage mit einem klaren Ja beantwortet. Mit ihrer Rückkehr aus der Elternzeit wurde die zweifache Mutter Gruppenleiterin bei EagleBurgmann.

 

Katrin Dinkels Weg war von außen betrachtet schon immer etwas ungewöhnlich. Es gibt nur ganz wenige junge Frauen, die sich für ein Studium der physikalischen Technik entscheiden. Ein Praxissemester in der vietnamesischen Hauptstadt Hannoi haben auch nicht viele Menschen in ihrem Lebenslauf stehen. Und als sie dann nach dem Studium bei EagleBurgmann im Produktfeld Sonder als Anwendungstechnikerin für die Papier- und Zellstoffindustrie anfing, da war sie wiederum als Frau eine Exotin unter all den Männern. Dass sie jetzt, nachdem ihr zweites Kind geboren wurde und sie aus der Elternzeit zurückkehrte, zur Gruppenleiterin aufgestiegen ist, passt da ins Bild. Nun macht Dinkel nicht den Eindruck, als suche sie sehr bewusst das Außergewöhnliche. Vieles – was von außen so erscheint – besitzt aus der Perspektive der heute 35-Jährigen eine innere Logik, manchmal auch mit einer guten Portion Pragmatismus gepaart. So wie die Wahl des Studienfachs. „Ich wollte damals die Welt verändern und habe mich sehr für den technischen Umweltschutz interessiert“, berichtet Dinkel. Da die physikalische Technik aber breiter ausgerichtet ist und die Berufsaussichten damit besser sind, hat sie sich dann für das genannte Fach an einer Fachhochschule entschieden.

 

Schritt für Schritt

Dass sie während ihres Studiums nach Hannoi geht, hat zum einen mit ihrer Reiselust zu tun, zum anderen aber auch mit der Tatsache, dass die Fachhochschule in München eine Partnerschaft mit der Hochschule in Hannoi verbindet. Ihr Einstieg bei EagleBurgmann in Wolfratshausen Mitte 1999 verläuft ganz klassisch. Katrin Dinkel sieht eine Stellenausschreibung, bewirbt sich darauf und wird ausgewählt. „Zunächst war das Thema Gleitringdichtungen für mich völliges Neuland“, erzählt sie. „In der Anfangszeit hat mir vor allem mein Schulwissen über technisches Zeichnen geholfen, weniger das, was ich in meinem Studium gelernt habe. Aber irgendwann hat mich dann die Faszination Gleitringdichtung gepackt.“ Seitdem hat sie sich Schritt für Schritt weiterentwickelt. Im Jahr 2005 nimmt sie an einem Förderprogramm für Nachwuchskräfte teil. Alle zwei Monate l ernt sie zusammen mit 14 Kollegen Freitags und samstags das, was man während des Studiums nur selten lernt: Projektmanagement, Persönlichkeitsentwicklung, Planspiele. „Es war eine tolle Mitarbeiterentwicklung und die Kontakte aus dieser Zeit bestehen bis heute.“ Als 2006 eine Abteilung für Branchenmarketing gegründet wird, wird Dinkel gefragt, ob sie beim Aufbau mitmachen will. Sie will. Im Januar 2007 kommt dann Tochter Anna zur Welt und nach einem knappen Jahr Pause steigt Dinkel im Oktober wieder mit zwei Tagen pro Woche in ihrer alten Position ein. „Ich habe Glück. Mein Mann übernimmt den einen und meine Mutter den anderen Betreuungstag.“

 

Wiedereinstieg als Gruppenleiterin

An dieser Konstellation hat sich auch nach der Geburt von Sohn Ludwig im April 2009 nichts geändert. Die berufliche Situation ist nach ihrem Wiedereinstieg im Mai 2010 allerdings schon eine andere. Die Zwei-Tage-Woche hat sie zwar beibehalten, aber die zweifache Mutter nimmt zusätzlich zu ihrer leitenden Funktion zu Hause nun auch als Leiterin der neu gegründeten Gruppe für Zellstoff, Papier und Spezialitäten Führungsverantwortung wahr. „Als die Stelle ausgeschrieben wurde, wäre ich nicht auf die Idee gekommen, mich als Teilzeitkraft darauf zu bewerben. Als ich dann vom Bereichsleiter darauf angesprochen wurde, habe ich eher die Bedenken ins Feld geführt. Er war es, der sie Punkt für Punkt entkräftet hat“, berichtet sie. Sie hat sich überzeugen lassen, sich auf die Stelle beworben und im internen Auswahlverfahren ihre Ideen für die Gruppe präsentiert. Die haben überzeugt. Seit einigen Monaten müssen Dinkel und ihre drei Mitarbeiter nun lernen, wie es ist, wenn die Chefin nicht jeden Tag ansprechbar ist. „Aber welcher Chef ist schon jeden Tag greifbar bei den vielen Dienstreisen und Besprechungen.“ Dinkel ist nun jeden Dienstag und Donnerstag im Unternehmen – jeden zweiten Tag also ansprechbar. Es muss jetzt eben alles noch besser geplant werden, sowohl privat, etwa wenn Dienstreisen anstehen, als auch der Ablauf der Abteilung. Sie sagt aber auch: „Kommunikation ist wichtig. Man muss sich Zeit für Gespräche nehmen, ohne dabei mit einem Auge auf dem Bildschirm zu hängen.“ Seit kurzem nimmt Katrin Dinkel am EagleBurgmann-Führungsnachwuchsprogramm Hermes teil. Als Gruppenleiterin in Teilzeit ist sie dort eine absolute Ausnahmeerscheinung. Aber als sie bei Burgmann angefangen hat, da war sie auch eine von ganz wenigen Frauen im technischen Bereich. Der Anteil hat sich seitdem deutlich erhöht.